ABENDLAND
Das Abendland sollte schon längst untergegangen sein, wenn man den Herren Nietzsche und Spengler glauben wollte. Doch es ist ein zäher Brocken, der sich nicht untergehen lässt. Jetzt aber, im Rahmen der immer mehr um sich greifenden Verblödung, könnte bald seine letzte Stunde geschlagen haben...
ABITUR
Das Abitur gibt es heute für jeden, der nur genügend Sitzfleisch hat. In den Hochschulen sitzen dann die jungen Leute und haben wirklich von gar nichts eine Ahnung.
AKADEMIKER
Beschränken wir uns nur auf die Geisteswissenschaftler, von denen einige im vergangenen Jahrhundert noch mit großer Allgemeinbildung prunken konnten. Heute dagegen begegnet man in diesem Bereich fast nur noch Fachidioten, die in einem unverständlichen Jargon über zwei oder drei Themen sprechen können. Alles weitere ist für sie terra incognita.
BILDUNG
Seit einigen Jahren wird der Buchmarkt von Büchern, mit denen man uns zu gebildeten Menschen machen will, überschwemmt. Im Schnellkurs erfährt man alles über Goethe und Schiller, über die Geschichte der Oper und die Hintergründe des antiken Theaters. Am Ende eines jeden Kapitels stehen multiple-choice-Frage, die sehr schön auf Ratesendungen vorbereiten. Schon einige sind auf diese Weise Millionäre geworden – gebildet aber sind die Leser dieser Bücher deswegen noch lange nicht.
BÜCHER
Bekanntlich machen die Buchhändler die größten Geschäfte mit Garten-, Koch- und Ratgeber-Büchern. In vielen Buchhandlungen findet man, mal abgesehen von den Bestsellern, auch nicht viel mehr. In Großstädten gibt es ganz versteckt noch ein oder zwei Buchhandlungen im alten Stil. Früher wurden von Kleinstädten Busfahrten zu solchen altertümlichen Buchhandlungen angeboten, um den Teilnehmern zu zeigen, was der Buchmarkt alles zu bieten hat. Doch die Zahl der Interessenten sank immer mehr, und dann wurden diese Fahrten ganz eingestellt.
Sonntag, 7. Februar 2010
Traurige Tiere. Ein Bestiarium 1
Die Amsel ahnt das Leid der Zeit
drum trägt sie stets ihr schwarzes Kleid
Die Biene biestert durch den Wald
sie hat im Leben keinen Halt
Der Igel igelt sich oft ein
er fühlt sich einsam und allein
Die Fliege fliegert durch die Nacht
sie hat es noch nicht weit gebracht
Der Kakadu kackt meistens spärlich
das Leben dünkt ihm sehr beschwerlich
Die Kröte kraucht durch den Salat
dann zögert sie: weiß keinen Rat
Der Kuckuck kuckt so kniesig heute
er ist des fetten Wahnsinns Beute
Der Löwe läuft verwirrt umher
das Leben ist ihm öd und leer
Der Marder hockt in Schwermut da
er martert sich seit Tag und Jahr
drum trägt sie stets ihr schwarzes Kleid
Die Biene biestert durch den Wald
sie hat im Leben keinen Halt
Der Igel igelt sich oft ein
er fühlt sich einsam und allein
Die Fliege fliegert durch die Nacht
sie hat es noch nicht weit gebracht
Der Kakadu kackt meistens spärlich
das Leben dünkt ihm sehr beschwerlich
Die Kröte kraucht durch den Salat
dann zögert sie: weiß keinen Rat
Der Kuckuck kuckt so kniesig heute
er ist des fetten Wahnsinns Beute
Der Löwe läuft verwirrt umher
das Leben ist ihm öd und leer
Der Marder hockt in Schwermut da
er martert sich seit Tag und Jahr
Freitag, 5. Februar 2010
Im Schattenland
Da wir genügend Schatten hatten,
wähnten wir uns in Sicherheit.
Wir lagen auf alten Bambusmatten
und dachten an die Ewigkeit.
Wir dachten an alles, an Gott und die Welt,
und an das, was selbige zusammen hält.
Es war alles nicht zu fassen,
aber wir konnten es nicht lassen.
Und draußen kam die Dunkelheit
und mit ihr Unzufriedenheit,
ein Tohuwabu von zähen Gedanken
in unserer Verlassenheit,
am Rand der grauen grauen Zeit.
Wir standen auf, um fort zu wanken.
wähnten wir uns in Sicherheit.
Wir lagen auf alten Bambusmatten
und dachten an die Ewigkeit.
Wir dachten an alles, an Gott und die Welt,
und an das, was selbige zusammen hält.
Es war alles nicht zu fassen,
aber wir konnten es nicht lassen.
Und draußen kam die Dunkelheit
und mit ihr Unzufriedenheit,
ein Tohuwabu von zähen Gedanken
in unserer Verlassenheit,
am Rand der grauen grauen Zeit.
Wir standen auf, um fort zu wanken.
Donnerstag, 4. Februar 2010
Aus: Fast follkommene Fragmente
11.
Es ist zwar da
doch es will mir nicht einfallen
Es umgibt mich
doch ich komme nicht an es heran
Ich muß es wohl in Ruhe lassen
12.
Wer aber will
mir verraten
wie die Rätsel zu lösen sind?
13.
Immer wieder zieht es mich hinab
in den Schlund
Langsam erst beginne ich
mich dagegen zu wehren
14.
Wenn sich das Unglück
in meinem Schädel einnistet
packe ich es und schmeiße es in die Jauchegrube
aus der aber dann das ganze Land
beglückt wird
15.
Einmal war sie aufgestanden
Ich hatte das Geräusch ihrer nackten Füße gehört
Wollte sie vielleicht zu mir kommen?
Das war gar nicht so
unmöglich
16.
Der junge Held sang ein Lied
in dem das Wort ABRAZO vorkam
Doch ich wußte nicht
was er damit putzen wollte
Es ist zwar da
doch es will mir nicht einfallen
Es umgibt mich
doch ich komme nicht an es heran
Ich muß es wohl in Ruhe lassen
12.
Wer aber will
mir verraten
wie die Rätsel zu lösen sind?
13.
Immer wieder zieht es mich hinab
in den Schlund
Langsam erst beginne ich
mich dagegen zu wehren
14.
Wenn sich das Unglück
in meinem Schädel einnistet
packe ich es und schmeiße es in die Jauchegrube
aus der aber dann das ganze Land
beglückt wird
15.
Einmal war sie aufgestanden
Ich hatte das Geräusch ihrer nackten Füße gehört
Wollte sie vielleicht zu mir kommen?
Das war gar nicht so
unmöglich
16.
Der junge Held sang ein Lied
in dem das Wort ABRAZO vorkam
Doch ich wußte nicht
was er damit putzen wollte
Mittwoch, 3. Februar 2010
Man soll...
Man soll die Söhne nicht berühren,
es sei denn, man ersehnt den Tod.
Man soll die Töchter nicht verführen,
und wenn dann nur in höchster Not
Und wenn man auf der Promenade
im Fieber mühsam sich bewegt,
dann denkt man nicht an die Pomade,
mit der man sich die Haare pflegt.
So hindern stets uns die Gesetze,
so lauern überall die Netze,
mit denen man uns fangen will.
Am Anfang will man sich noch wehren,
will etwas ändern, sich beschweren,
doch mit den Jahren wird man still.
Aus: Alles ist Sonett. Berlin1986
es sei denn, man ersehnt den Tod.
Man soll die Töchter nicht verführen,
und wenn dann nur in höchster Not
Und wenn man auf der Promenade
im Fieber mühsam sich bewegt,
dann denkt man nicht an die Pomade,
mit der man sich die Haare pflegt.
So hindern stets uns die Gesetze,
so lauern überall die Netze,
mit denen man uns fangen will.
Am Anfang will man sich noch wehren,
will etwas ändern, sich beschweren,
doch mit den Jahren wird man still.
Aus: Alles ist Sonett. Berlin1986
Dienstag, 2. Februar 2010
(Fast) Alles über das Leben 1
Das Leben ist eine Achterbahn.
Das Leben ist ein üppiges Mahl.
Das Leben ist nur ein Traum.
Das Leben ist ein Geschenk Gottes.
Das Leben ist Teufelswerk.
Das Leben ist fragwürdig.
Das Leben ist ein Abenteuer.
Das Leben ist Lug und Trug.
Das Leben ist ein Geheimnis.
Das Leben ist nicht leicht.
Das Leben ist kein Papppenstiel.
Das Leben ist kalter Kaffee.
Das Leben ist zum Lachen.
Das Leben ist zum Weinen.
Das Leben ist ein üppiges Mahl.
Das Leben ist nur ein Traum.
Das Leben ist ein Geschenk Gottes.
Das Leben ist Teufelswerk.
Das Leben ist fragwürdig.
Das Leben ist ein Abenteuer.
Das Leben ist Lug und Trug.
Das Leben ist ein Geheimnis.
Das Leben ist nicht leicht.
Das Leben ist kein Papppenstiel.
Das Leben ist kalter Kaffee.
Das Leben ist zum Lachen.
Das Leben ist zum Weinen.
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