Donnerstag, 13. Dezember 2012

Ramsenthalers Weihnachtsgedichte


Knete

Schenkt mir bitte keine Socken
und auch keine Bücherbrocken
und auch keinen Schlafanzug,
davon hab ich schon genug...

Ich will Knete, ich will Geld,
am besten viel, nicht abgezählt!
Dann sing ich euch, wenn ihr mich brav bekniet,
ein wunderschönes Weihnachtslied:

vom Tannenbaum, von stiller Nacht...
Doch erst das Geld, dann wird’s gemacht.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Ramsenthalers Weihnachtsgedichte


Katzen-Weihnacht

Auch die Katzen feiern Weihnacht.
Gebt nur in der Heilgen Nacht
Schön fein acht:
Dann hört ihr sie (o welch ein Klingen)
Die alten Weihnachtslieder singen.

Dann trinken sie (so muss das sein)
Noch ein paar Flaschen guten Wein.
Gibt’s später auch noch Mäusebraten
Ist dieser Abend gut geraten.


Mäuse-Weihnacht

Auch die Mäuse feiern Weihnacht.
Gebt nur in der Heilgen Nacht
Schön fein acht:
Dann hört ihr sie (o welch ein Klingen)
Die alten Weihnachtslieder singen.

Dazu gibt’s Wasser, altes Brot
Und kurz vorbei ist alle Not.
Sind dann die Katzen stockbesoffen,
können die Mäuse noch was hoffen.


Samstag, 8. Dezember 2012

Berichte über Jean Paul


Ramsenthaler liebte Jean Paul. In seinem Zimmer hing einer seiner Aphorismen:
„Wer nicht Mut hat, auf seine eigne Art närrisch zu sein, hat ihn auch schwerlich, auf seine eigene  klug zu sein.“
Vermutlich hat er nicht einmal viel von ihm gelesen, aber sehr viel über ihn. In seinem Nachlass befindet sich ein Heft mit vielen Berichten seiner Zeitgenossen über diesen kauzigen Dichter aus Wunsiedel. Zum Beispiel:

„Der Spitz ist blind geworden, davongelaufen und hat den Weg nicht wieder nach Hause gefunden. Richter hat ihn auch nicht suchen lassen, aber einen neuen Spitz und einen Kanarienvogel. Diesen kauft’ ich ihm geschwind – er singt himmlisch – , um ihn von jenem dadurch abzuhalten, weil ich dachte: wer eine so liebenswürdige Karoline (die keinen Hund leiden kann), drei dergleichen Kinder und einen singenden Kanarienvogel hat, könnte wohl einen Spitz entbehren. Der Heinrich musste aber gestern schon einen Spitz für zwei Gulden verschaffen. (P. S. Der alte ist wieder da, also zwei.)

(Aus einem Brief von Emanuel Osmund an Paul Emil Thieriot vom 5. Februar 1805)






Freitag, 7. Dezember 2012

Berichte über Jean Paul


Ramsenthaler liebte Jean Paul. In seinem Zimmer hing einer seiner Aphorismen:
„Wer nicht Mut hat, auf seine eigne Art närrisch zu sein, hat ihn auch schwerlich, auf seine eigene  klug zu sein.“
Vermutlich hat er nicht einmal viel von ihm gelesen, aber sehr viel über ihn. In seinem Nachlass befindet sich ein Heft mit vielen Berichten seiner Zeitgenossen über diesen kauzigen Dichter aus Wunsiedel. Zum Beispiel:

„Mein Mann versteht viel von der medizinischen Kunst... Glauben Sie aber deshalb nicht, dass er ein Geschäft daraus macht zu kurieren; nur kürzlich rettete er ein sterbendes Kind von Wangenheim, das einem halbjährigen Keichhusten erlag – die Ärzte hatten ihm die letzten Reizmittel, Moschus, China, gereicht und sein Ziel auf höchstens 16 Stunden gesetzt – da riet mein Mann den sich weigernden Ärzten und Eltern, dem 1 ¼ jährigen Kinde 1 bis 2 Teetassen ältesten, stärksten Weines auf einmal zu geben – dann wieder, wann es Durst äußerte – und das Kind lebt, isst, schläft seit drei Wochen.“

(Aus einem Brief von Karoline Richter an ihren Vater vom 18. Mai 1804)

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Ramsenthalers Weihnachtsgedichte




Nix

Sind die Kinder frech wie Dreck,
kommt der Nixolaus, o Schreck!
Haut sie erst mal windelweich,
sagt dazu: Ich zeig euch gleich,
wo für euch die Harke hängt!
In diesem Jahr kriegt ihr auch nix geschenkt!

Sonntag, 2. Dezember 2012

Ramsenthalers Weihnachtsgedichte


Weihnacht

Und wieder rieselt drauß’ der Schnee,
halbnackte Englein vögeln.
Ein kühnes halb verrücktes Reh
will durch die Lüfte segeln.

Drin unterm trauten Weihnachtsbaum
ist der Vater umgesunken,
die Mutter torkelt durch den Raum,
wie immer sturzbetrunken.

Der leicht bekiffte Sohnemann
steht hinterm Baum und jodelt,
derweil im Ofen stundenlang
der Weihnachtsbraten brodelt.

Die Tochter voller Heiterkeit
wünscht Allen Frohe Weihnachtszeit.



Samstag, 1. Dezember 2012

Berichte über Jean Paul


Ramsenthaler liebte Jean Paul. In seinem Zimmer hing einer seiner Aphorismen:
„Wer nicht Mut hat, auf seine eigne Art närrisch zu sein, hat ihn auch schwerlich, auf seine eigene  klug zu sein.“
Vermutlich hat er nicht einmal viel von ihm gelesen, aber sehr viel über ihn. In seinem Nachlass befindet sich ein Heft mit vielen Berichten seiner Zeitgenossen über diesen kauzigen Dichter aus Wunsiedel. Zum Beispiel:

Bei der Einfahrt eines Bierfasses in Koburg läuft er seliger umher als bei dem Eintritt eines Kindes in die Welt. Sie glauben es nicht, wie herzlich ich ihn oft auslache – kaum ist der Fuhrmann aus dem Tore hinaus, so wird gleich geschickt, um die Zeit seiner Wiederkunft zu erfragen. Mit welcher Ungeduld werden die Stunden gezählt und schon im Voraus mit Trinken gefastet. Ist er endlich angekommen, dann wehe ihm, wenn er zu lange ausruht; gleich muss das Bier ins Haus, um einen frischen Krug mit dem Heber herausziehen zu können.

(Aus einem Brief von Karoline Richter an Emanuel Osmund vom 4. Februar 1804)